Rundgang

Gebäude, in denen sich Christen zu Gottesdiensten versammeln sind an ganz bestimmten Merkmalen und Eigenheiten als Kirchen zu erkennen. Baumeister, Architekten und Künstler zusammen mit Theologen haben sich im Lauf der Jahrhunderte darüber Gedanken gemacht, womit man ein Haus zum Gotteshaus macht. Der Gang durch unsere Kirche will Bilder und Einrichtungsgegenstände erklären und die dazugehörige Sprache deuten.
An vielen Stellen, neben dem Kreuz am Altar, sehen wir den Gekreuzigten auf Bildern und Grabmälern. Ist am Kreuz der Leichnam Jesu angebracht nennen wir das ein Kruzifix. Das Schild "INRI" am oberen Ende des Kreuzes bedeutet "Jesus Nazarenus Rex Judaerum (Jesus von Nazareth, König der Juden)".
Die Besonderheit der Nikolaus-Kirche sind die auf der Ostseite befindlichen drei Emporen, die von Anfang an in der Kirche vorhanden waren. Notwendig wurden diese Emporen durch die Vielzahl an Gottesdienstteilnehmern. Wesentliche Veränderungen der Emporen wurden erst 1891 bei einer großen Renovierung vorgenommen.

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Wir beginnen unseren Rundgang am Westportal und werden begrüßt durch den Erzengel Michael:

Erzengel Michael

Erzengel Michael mit Drachen

1949 hat Professor Yelin aus Stuttgart das Sgraffitobild an der Westwand erschaffen. Es zeigt den Erzengel Michael mit dem Drachen.

Das Bild erinnert an Offb. 12,7-12 an den Kampf mit der Übermacht des Bösen, in dem wir alle stehen, in dem uns aber überirdische Mächte beistehen und Christus schon den Sieg gewonnen hat durch die Hingabe seines heiligen Lebens (Zitat von Dekan Schaible 1949)

Westeingang

Westeingang

"Gott segne euren Eingang"

Tympanon am Westeingang

Tympanon

Tympanon am Westeingang

Tympanon über dem Westausgang:

Verlässt der Besucher den Gottesdienstraum begleitet ihn der Segensspruch
"Der Herr behüte euch"

Martin Luther

Luther

Martin Luther

Das Portrait des Reformators Luther befindet sich jetzt in der Sakristei.

Das Bild ist mit A. Läpple signiert und stammt aus dem Jahr 1884

Hainrich Dörtzbach

Hainrich Dörtzbach

Hainrich Dörtzbach war Obervogt in Neuenstadt. Über der Südempore:

Taufe Jesu, Erinnerung an Hainrich und Maria Dörtzbach

Ein kniender Vater mit 2 Söhnen und eine Mutter mit 6 Töchtern. Umschrift: "Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum wir leben oder sterben so sind wir des Herrn" "Anno dni 1598: Freytags den 29. XBRIS (Dez.) starb selig inn Christo, der Ehrnhaft und vorneme, HAINRICH DÖRTZBACH, Bürger und gerichts allhie,desen seelen Gott genadt". "Anno 1607 den 3. NOUEBRIS starb Inn Gott seelig, die Erbare MARIA HEINRICH DÖRTZBACHS seeligen nachgelassene Witib deren seelen Gott gnedig sey"

Südeingang

Südeingang

Südeingang

Der Südeingang der Kirche

Die Kirche hat vier Eingänge. Im Süden gibt es zwei Türen, die heute noch seit dem Umbau unverändert vorhanden sind. Auf der Außenseite sind zwei Jahreszahlen eingemeißelt: 1595 und 1787. 1595 wurde die Kirche erbaut, am Platz an der die vormalige Nikolauskapelle stand. 1787 ist das Jahr einer größeren Renovierung.

Friedrich Eberhardt von Limpurg

Friedrich Eberhard v. Limpurg

Friedrich Eberhardt von Limpurg, oberhalb der Empore

Man kann auf einem Ölbild Christus, von Kindern, Müttern und Jüngern umgeben, erkennen, der darunter stehende Text lautet: "Lasset die Kinder zu mir kommen, denn solchen ist das Himmelreich". Der weitere Text ist lateinisch und lautet in verkürzter Übersetzung: "Der bekannte und erhabene Herr Eberhard, Freiherr in Limpurg, des Heiligen Römischen Reiches Erbschenk und Semperfrey und hier in Neuenstadt ehrwürdigster Obervogt, hat als höchst trauriger Vater in Erinnerung an sein kleines und sehr geliebtes Söhnlein Friedrich Eberhard, das in Christo fromm gestorben ist, diese Gedenktafel wehmütig trauernd aufgerichtet. Im Jahre des Herrn 1594."
Die Übersetzung ist der "Geschichtliche und heimatkundlichen Beilage zum Amtsblatt der Stadt Neuenstadt" vom Oktober 2003 entnommen, Verfasser: G. Reichert

Kanzel

Kanzel (Foto R.Krumrein)

Kanzel

Die Kanzel wurde im Jahr 1891 von Frau Marie Möricke, Witwe des Apothekers Karl Abraham Möricke, gestiftet. Die Kanzel ist im Neu-Gotischen Stil von dem Kunstschreiner Zundel aus Stuttgart hergestellt worden. Dominierend sind die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Über den Evangelisten steht der Satz: "Ihr seid es nicht die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet" (Matthäus 10,20). Am Sockel ist die Stifterfamilie vermerkt. Um die Predigt des Pfarrers besser hören und sehen zu können ist sie erhöht. Von der Sakristei aus ist die Kanzel über einen Treppenaufgang zugänglich.

Altar und Kruzifix

Kruzifix (Foto R.Krumrein)

Der Altar steht im Mittelpunkt des Chorraums. Er ist der Ort des Abendmahls und erinnert an den Berg Golgatha, die Opferung Jesu als Inhalt des Evangeliums. Kanzel und Altar werden mit besonderen Tüchern behängt, die sogenannten Paramente. Liturgische Farben der Paramente kennzeichnen die kirchlichen Feste. Altar und Kruzifix stammen aus verschiedenen Epochen. Der Altar wurde anlässlich der großen Kirchrenovierung 1891 von der Familie Leitz aus Bad Mergentheim gestiftet. Das Kruzifix ist eine Stiftung des Herzogs Friedrich August aus Neuenstadt aus dem Jahr 1703. Der Korpus ist aus Marmor und das Kreuz aus Sandstein angefertigt. Am Fuß des Kreuzes (hinter dem Altar) ist das Fürstliche Wappen (Württemberg) zu sehen.

Kronleuchter

Kronleuchter

Der Kronleuchter über dem Altar stammt aus dem Jahr 1703 und ist eine Stiftung des Herzogs Friedrich August

Grabmal der Anna von Weinsberg

Anna von Weinsberg

Grabmal der Anna von Weinsberg

Anna von Weinsberg, geb. von Leiningen †1413, Ihr Gemahl ist Engelhard VIII von Weinsberg. †1415. Sie wohnen schon längerer Zeit im Schloss zu Neuenstadt wo sie ihren Witwensitz hatte. Anna machte mehrere Stiftungen für die damalige Kapelle. 1381 hat Engelhard in seinem Testament bestimmt dass er unter anderem, nach seinem Tod, Anna seine Gemahlin den Hof in Neuenstadt, "wo wir itzund innewonde sind", haushalten, das alte Haus bei der Kapelle oben hinaus gegen den Graben und den Keller darunter, den Stall daran, die Küche und auch den Keller unter dem vordem Haus innehaben soll. Anna bringt 10 Kinder zur Welt, 3 Söhne und 7 Töchter. Die 2 jüngeren Söhne Georg und Philipp kommen bei Turnieren ums Leben. Der älteste Sohn Konrad IX (1370 - 1448). wird als Erzbischof von Mainz, Kurfürst und Reichserbkämmerer der berühmteste Weinsberger des ganzen Geschlechts. Durch seine hohe Stellung beim Kaiser bekommt er manchen Titel, aber kein Geld für seinen Aufwand, sodass er des Kaisers Schulden bezahlen muss und dadurch sein eigenes Vermögen dafür opfert. 1450 kommt Neuenstadt endgültig unter pfälzische Herrschaft.

Johannes Philippus von Ehrenberg

Johannes Philippus von Ehrenberg (Foto: R.Krumrein)

Johannes Philippus von Ehrenberg (über der Sakristeitüre)
Kreuz mit jungem Ritter
"Mittwoch Morgens um 5 Uhr 7. Dez. anno 1631 stirbt der wohl edel und gestreng JOHANNES PHILIPPUS von EHRENBERG, seines Alters 18 Jahr als er aus dem Krieg kranck nacher Newenstat Kommen, ligt allhier im Chor begraben, dessen Sel Gott genade." Umschrift: "Der Mensch vom Weibe geboren lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe."

Gottfried Limpurg, Sohn des Eberhard zu Limpurg

Gottfried Limpurg, Sohn des Eberhard zu Limpurg

Gottfried Limpurg, Sohn des Eberhard zu Limpurg

Der Vater des Kindes war, wie die zitierte Grabinschrift aussagt, Schenk Eberhard von Limpurg. Von 1586 bis 1597 residierte er als herzoglicher Rat und Oberamtmann (Obervogt) in Neuenstadt und übte im Namen des regierenden Herzogs Friedrich 1. (1557- 1608) in Stuttgart die Herrschaft über die drei württembergischen Ämter Weinsberg, Neuenstadt und Möckmühl aus An der südöstlichen Chorwand ist ein Grabmal zu sehen, das seinem Kind gewidmet ist. Die über vierhundert Jahre alte Inschrift lässt sich erstaunlich leicht lesen: "Anno Domini 1590. Den 26. July. Ist in Christo seliglich entschlaffen, des Wolgebornen, Eberharden Herrn zu Limpurg, des hayl: Rom: Reichs Erbschenck und Semperfreyen junges Sohnlein. Gottfridt. seines alters 12 Wochen 2 tag. Dem Gott ein fröliche ufferstehung verleihe. Amen" Ein weiteres Denkmal des zweiten verstorbenen Sohnes von Eberhard zu Limpurg ist an der Südwand des Kirchenschiffs oberhalb der Empore angebracht.

Kreuzigungsszene

Kreuzigungsbild im Chor

Bild einer Kreuzigungsszene im Chor
Es ist keine Beschriftung vorhanden, Herkunft und Alter sind unbekannt

Wappen der Familie Möricke 1891

Wappen Familie Möricke

Wappen der Familie Möricke 1891
"Ein feste Burg ist unser Gott" Zu Ehren der großzügigen Stiftungen der Familie Möricke: Die Kanzel in der Kirche und das Möricke Frauenstift

Grabstein der Sabina von Helmstadt

Sabina vpn Herlmstadt

Grabstein der Sabina von Helmstadt
2 Wappen, rechts ein nach links sehender Rabe und links ein fünfendiges Hirschgeweih. Sabina v. Helmstadt war die Tochter des Amtmanns von Helmstadt und starb 1558 Text: Sabina von Helmstadt ANNO.DOMINI.1.5.5.5.VF DINSTAG DEN.26.IVLII. STARB DAS EDEL IVNKFRAWLIN SABINA VON HELMSTAT.DES AMOTMANS ALHIE EHELICHE DOCHTER. VND WARTET. DER FRÖLICHEN VFERSTEVNG.IN CHRISTO IHESV.

Geburt Christi, Ölgemälde

Geburt Christi, Ölgemälde

Geburt Christi, Ölgemälde

Umschrift: ECCR DEI PROI FM SANCTA DE VIRGINA NATAMI CVM SENIORE PIO, CASTAM, AD PRAESEPIA. MATREM COLESTEM ALLGERVM DICENTEM CARMINA TVRRANB MIRANTES COELI RECTOREM OVIVMQVE MAGISTROS.

Grabstein des Magisters Johann Wolf

Grabstein des Magisters Johann Wolf

Grabstein des Magisters Johann Wolf

Grabstein des Magisters Johann Wolf

Er war von 1654 bis 1669 Superintendent (Dekan) in Neuenstadt und starb 1669. Umschrift (ab oben links) M:IOH.JACONVS WOLFIVS: DIAC. BOTWAR. PERXXI. HIC NEAPOLITAN. DEC.PERXV. AN PARENT. M.IOH. WOLFIO AN. MARS. STAEHELIN M.C.C

Übersetzung

Umschrift: M(agister?) Ioh. lacobus Wolfius, Diac(onus) in Bottwar 21 (Jahre) lang -- hier Neuenstädter / Decan über 15 Jahre / den Eltern: M(agister) Ioh. Wolf und Anna Maria Stählin 1600

Text: Seht! Nächte des Mai zweimal drei hat das hohe Licht vertrieben. Der Spezial Wolfius legte sich frohlockend zum Sterben nieder. Allein, da er für Jesus gelebt hatte (vgl. Röm 14,8), starb er auch fröhlich und mit dem Wunsch aufgelöst werden. (vgl. Phil 1,23?) Da der Tod ihm Gewinn war (vgl. Phil 1,21), war die Bestattung der Ertrag und der Tod ihm der Eingang zum Leben.
Noch mehr, er bereitet sogar dem gerechten Mann lebendige Freuden. Du bist also nicht untergegangen, sondern in alle Ewigkeiten erwirbst du das erhoffte Ewige, guter Mann, durch dein Ende.

Epitaphe von Gemmingen

Epitaph v. Gemmingen links (Foto R.Krumrein)

Epitaph v. Gemmingen rechts (Foto R.Krumrein)

Epitaphe von Gemmingen

Beide Epitaphe sind Anfang 17. Jahrhundert angebracht worden. In dieser Zeit war Bürg nach Neuenstadt "eingepfarrt". In Bürg wurde erst 1650 eine eigene Kirche gebaut.

Nordwand links, Schriftfeld links:

"Uff Sonntag denn 17.Monatstage Decembris 1609 Ist In Gott seeliglich entschlaffen der Edel und Vöst BERNOLFF von GEMMINGEN zur Bürg Desen Leichn. der Almechtig Ein fröliche Ufferstehung verleihen wölle. Amen. "

rechts daneben: "Uff Dinstag vor Mittag den 15.Monatstag Septembris Anno 1607 Ist in Gott Seeliglich Entschlaffen, die Edle und Thugentsame fraw ANNA von GEMMINGEN geb. von Grumbach, Deren Leichn. der Allmechtig ein fröliche ufferstehung verleie. Amen."

darunter: Christus ist darum für Alle gestorben, auf daß die, so da leben hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. 2.Korinth: 5, 15.

Nordwand rechts Schriftfeld links:

"Mittwoch den 29.Januarii 1617 ist der wohl edel und gestreng SCHWEICKARDT von GEMMINGEN zu Presteneckh in Christo Seelig entschlaffen, seines Alters 61 Jahr 2 Wochen zween Tage, welchem Gott zu seiner Zeit eine fröliche Aufferstehung verleihe. Amen". 1.Joh.1,8.

rechts daneben: "Sonntag den 30.Juni 1631 ist seeliglich nachgefolgt die auch woledele,Ehrentugendreiche Frau MARIA von GEMMINGEN, geb. von Beckha, ehrengemeldten Junckern S.nachgelassene Wittib. Alters 60 Jahre, welche Gott an jenem Tag mitt Freuden wieder aufferweckhe. Amen."

Taufstein

Taufstein

Taufstein

Der Taufstein sagt uns: "Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet" (Markus 16,16) Der Taufstein stammt noch aus vor reformatorischer Zeit. Er wurde 1499 angefertigt und war vermutlich bereits in der Vorgängerkirche, der Schlosskapelle, aufgestellt.
1891 war der Taufstein anlässlich der großen Renovierung überflüssig und wurde zur Ruine Helmbundkirche versetzt.
1957 wurde er nach der Kirchrenovierung zurückgeholt, und das Taufsteinbecken von Eugen Walter angefertigt. Das Becken trägt die Inschrift "Werdet Kinder des Lichts", Im Deckel findet sich die Schrift: "Ein Glaube + Eine Taufe + Ein Herr."

Wappen Freifrau von Wächter

Wappen Freifrau von Wächter

An der Stützsäule der Emporen

Wappen Freifrau von Wächter Exzellenz, Lautenbach

Von ihr und Angehörigen wurden 1891 3 Chorfenster gestiftet. Die Fenster wurden im 2. Weltkrieg zerstört und sind 1950 durch Neuentwürfe ersetzt worden.